„Ein leerer Bauch studiert ganz gern!“

Auf diesen prägnanten Nenner lassen sich die Ergebnisse mehrerer Ende Oktober veröffentlichter Ergebnisse von Studien und Umfragen bringen. Zum einen befragten etliche Partner der Inter-Mission die Eltern und Kinder aus den gesponserten Projekten über ihr Ergehen im noch bestehenden Lockdown; mit hohem Prozentsatz alle mit einem Ergebnis: Die Kinder wollen wieder in ihre Schule und weiter lernen! All diese Kinder wiederum stammten aus ländlichen Regionen, über welchen eine Nationale Studie zu dem Ergebnis kam, dass drei Viertel der Bevölkerung dort sich eine Ernährung mit den offiziell empfohlenen Nährstoffen finanziell überhaupt nicht leisten kann; das verfügbare Einkommen ist schlicht nicht ausreichend (Bericht) Fast zeitgleich erschienen die Ergebnisse des Welthunger-Index 2020 und bestätigten die Fortentwicklung der bisherigen negativen Tendenz in Indien:

Der Prozentsatz sogenannter „ausgezehrter“ Kinder wächst weiter.

Wenn es an diesem ernüchternden Sachverhalt etwas Positives zu finden gibt, dann dies: Auch Eltern aus ärmsten Verhältnissen sehen die Wichtigkeit von Schulausbildung und darüber hinaus deren Bedeutsamkeit für die charakterliche und seelische Entwicklung ihrer Kinder. Und jene sehen mehr denn je, dass „ohne Schule“ ein wichtiges Element ihres Lebens fehlt; sie wollen Lernen! Und so konnte man in den vergangenen Monaten immer wieder mal auch von fast rührigen Versuchen von Lehrern lesen, diesen Lernhunger mit einfachsten Mitteln zu stillen, anstatt das gesamte Schuljahr einfach abzuschreiben. Denn mit ‚Online-Unterricht‘ ist halt nicht auf dem Land! Ein besonders findiger Pädagoge nutzte z.B. die (gerade) Dorfstraße dergestalt, dass er an jedes Haus eine Schiefertafel nagelte und die Kinder auf die eingelassenen Bänkchen davor setzte: Social Distancing inklusive Dauerlüftung im Landformat… Klasse! Wieder andere bauten ihr Fahrrad in ein mobiles Klassenzimmer um und fuhren mit diesem zu den Kindern nach Hause um sie von der Straße aus zu unterrichten.

Neues Unterrichtsformat dringend benötigt!

Die Inter-Mission wiederum nutzte die Covid-19-bedingte schulische Zwangspause, die in einigen Bundesländern Mitte Oktober versuchsweise zu Ende ging, um mit einigen ausgewählten Partnern und deren Mitarbeitern gerade in den ländlichen Projekten ein neues Unterrichtsformat einzuüben (siehe auch Stichwort EFA/Weihnachtsprojekt). Damit nach der Ernährungs-Hilfe, die während des Lockdown vielen Familien gegeben werden konnte, nun auch der Appetit auf ganzheitliches Lernen besser gestillt werden kann. Diese Initiative wurde vielfach willkommen geheißen, bedeutet aber noch ein gehöriges Stück Arbeit – und fiel mitten in eine ebenfalls diesen Sommer verabschiedete landesweite und weitgehende Schulreform (NEP). Jene wurde und wird mittlerweile ebenso heiß diskutiert, begrüßt und abgelehnt, wie das auch in Deutschland bzgl. der unterschiedlichen Corona-Vorgaben der Fall ist. Zumindest an dieser Stelle besteht momentan also zwischen unseren Ländern – und den Herausforderungen an Eltern, Lehrer und Schüler – kein Unterschied. Aber ansonsten schon, denn Hunger kennt man hier nicht, in Indien allerdings immer mehr. Gerade auch „post-Covid“, wofür die WHO bereits begonnen hat zu sensibilisieren.

Kann man hierfür, gerade auch in der jetzigen Weihnachtszeit, noch Sensibilität entwickeln? Unser Dank geht stellvertretend an Sie alle, die es tun. In diesem Sinne: Fröhliche Weihnachten!

Mitarbeiter der Inter-Mission in Indien (Name wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt)