Missionstreffen 2019 in Hannover: Löst die Fesseln der Knechtschaft

Für einen schwungvollen musikalischen Beginn des diesjährigen Jahrestreffens der Inter-Mission am 21. September sorgte die bereits bekannte Band „Multiplied“ aus Herford. In der folgenden Begrüßung erläuterte Walter Fischer dann das gewählte Motto: 

"Löst die Fesseln der Menschen, die man zu Unrecht gefangen hält, befreit sie vom drückenden Joch der Knechtschaft und gebt ihnen ihre Freiheit wieder! Schafft jede Art von Unterdrückung ab!"

Diese Verse aus Jesaja 58,6 sollten uns Anwesende konkret herausfordern, sich mit der Frage auseinanderzusetzen: Wie kann ich mich einbringen, um dieser Anforderung gerecht zu werden? In vielen Arbeitsregionen der IM herrschen Armut, Unterdrückung, Sklaverei und Unrecht, auch in Indien und Ghana, den Herkunftsländern der beiden Hauptredner des Nachmittags. Wir können durch Gebet und finanzielle Unterstützung der Arbeit Veränderung bewirken, weiterhin z.B. durch Kurzeinsätze von einigen Wochen oder Monaten. Auch unser Konsumverhalten kann zum „Lösen der Fesseln“ beitragen, die häufig geistige Ursachen haben. Die Antwort darauf ist das Evangelium!

Nach einer kurzen Anbetungszeit wurde Bruder Jebakumar aus Bihar, Nordindien, vorgestellt, Leiter des Werkes GEMS (Gospel Echoing Missionary Society), der mit IM schon über 40 Jahre verbunden und einer der größten Partner ist. Ursprünglich aus Südindien stammend ging er einst in den armen Norden nach Bihar, um dort Waisenkindern ein Zuhause zu geben. Das erste Heim begann mit 15 Kindern. Inzwischen umfasst das Werk mehrere Heime, Dorfentwicklungsprojekte, Schulen, ein Polytechnikum, eine Bibelschule, ein Krankenhaus und einige Gewerbezweige Die Zusammenarbeit mit der IM gab immer wieder neue Impulse für die Arbeit bzw. ermöglichte z.B. den Aufbau eines Heims für poliogeschädigte Kinder Mitte der 90er Jahre. Durch gezielte Operationen und Therapien können viele von ihnen heute aufrecht gehen und einen Beruf ausüben. Erst vor 2 Wochen schloss eine junge Frau die Ingenieurschule erfolgreich ab. Inzwischen konnte Polio durch gezielte Impfungen in Bihar ganz ausgelöscht werden.

Die IM ermöglichte außerdem die Einrichtung von Day Care Zentren (Tagesschulen) - insgesamt wurden mittlerweile 25.000 Kinder auf diese Weise betreut.

Auch durch die Dorfentwicklungsprojekte konnte mit Gottes Hilfe schon viel Gutes bewirkt werden. Kinder aus Dörfern, in denen schon seit mehreren Generationen Prostitution ein maßgeblicher Einkommensfaktor ist, kamen durch die von GEMS gebauten Schulen zum Glauben an Jesus und gewannen neue Lebensperspektiven.

So wie im Alten Testament Kaleb nicht mutlos wurde und an Gottes Verheißungen festhielt, zweifelte auch Jebakumar nie an Gottes Zusagen, selbst wenn die äußeren Umstände völlig dagegensprachen. Er wusste und weiß: Wenn Gott etwas zusagt, wird er es tun! Dazu braucht Er Menschen wie Kaleb, die „im Licht leben“, nichts im Verborgenen tun und sich von Gottes Geist leiten lassen. Wichtig ist dabei auch, das Evangelium an die nächste Generation weiterzugeben, sodass Werke wie GEMS in jüngere Hände übergeben werden können. Er dankte allen Spendern und der IM für ihre Unterstützung.

Im Anschluss stellte sich uns David Moari, Leiter der Hope for Afrika Mission, die seit 2018 Partner der Inter-Mission ist, als zweiter Hauptredner des Nachmittags vor. Sein Vater hatte 28 Kinder von 5 Frauen und David war „Nr.12“. Durch einen amerikanischen Baptistenprediger, der sein Dorf besuchte, lernte er den Glauben an Jesus kennen. Irgendwann weigerte er sich, die Götzen seines Vaters anzubeten, was zu Konflikten mit ihm führte. David erarbeitete sich das Lehrerstudium hart. Nur jeweils ein Junge pro Ehefrau durfte studieren; er gehörte ursprünglich nicht dazu. Als jedoch sein Bruder verstarb, öffnete sich die Tür für ihn. Nach seinem Masterstudium in den USA und trotz vielversprechender Karriereaussichten kehrte er nach Ghana zurück, gründete eine Gemeinde, die in 2 Jahren stark anwuchs, und ein Waisenheim. Um es zu finanzieren, investierte er sein Gehalt als Lehrer am Polytechnikum, aber selbst als das nicht ausreichte, versorgte Gott sie immer wieder. 2011 lernte er Jochen Tewes kennen, den Leiter der IID (Intermission Industrial Development Associatíon). Dieser brachte ihn mit der IM und Michael Miezal in Kontakt. Durch Finanzhilfen der IM ist die Versorgung der Kinder nun gesichert, die örtliche Schule konnte baulich erweitert werden und die Gründung eines Community College, wie es die IID in Indien betreibt, ist auf dem Weg. Das Gebäude dafür steht bereits.

Auch hier wird deutlich, dass das Leben eines Kindes durch wenig Geld verändert und mit Hoffnung erfüllt werden kann. 

Mit einem Gebet für die dortige Arbeit, dem Dank an Multiplied, die Spender der IM und die vielen „unsichtbaren“ fleißigen Helfer, die den gelungenen Nachmittag möglich machten, wurde der Missionstag beendet. Wie ich wurden hoffentlich viele neu angesprochen und ermutigt durch das gute Werk, das Gott tut, aktiv zu bleiben und die frohe Botschaft weiterzugeben!

Autorin: Katrin Gustke