Trump-Besuch in Indien

„Mit Speck fängt man Mäuse“, sagt das Sprichwort, und irgendwie kam mir genau das in den Sinn, als ich von dem markigen Versprechen des indischen an den amerikanischen Präsidenten hörte, sein Weg vom Flughafen in die Stadt werde von 7 Millionen Menschen gefeiert und speziell für ihn das größte Stadion der Welt gefüllt. Und als ich danach in allen Medien von den umfangreichen Planungen und Vorkehrungen las und sah. Wow, gewaltig! Der indische Geist weiß halt doch ganz gut, wie man – potenziell oder tatsächlich – wichtige Gäste hofiert!

Was bleibt übrig vom Treffen?

Das Treffen der Staatsmänner ist vorbei und was politisch oder wirtschaftlich bleibt wurde von den Medien zur Genüge analysiert. Für die Slumbewohner an der Straße vom Flughafen zum Stadion in Ahmedabad bleibt die extra errichtete 600 Meter lange Mauer, die den bejubelten Gästen den Anblick desselben ersparen sollte; und nur sehr optimistische Menschen würden auf den Gedanken kommen, die hübschen handgemalten Konterfeis auf der Mauer würden selbige auch slumseitig zieren.

Selbst die kurzfristig anberaumte Begegnung des chinesischen mit dem indischen Ministerpräsidenten im Herbst 2019 in Chennai hatte ähnliche Aktionen verursacht, allerdings ohne neue Mauer, dafür mit bleibender Verschönerung der Flughafenstraße; sie sieht bis heute irgendwie aufgeräumter aus, die neuen großen Hinweisschilder auf lokale Attraktionen leuchten fast einladend. Weniger nachhaltig wohl das Ergebnis zeitgleich in Kathmandu, wohin der chinesische Gast als nächstes geflogen war; der dort kilometerweise ausgebrachte Rollrasen samt Blumenkübelgalerien an den Straßenrändern war flugs wieder verschwunden.

Die ‚Verhübschungsaktion‘ in Ahmedabad allerdings war für eine bekannte Sozialarbeiterin aus Kerala Anlass genug um öffentlich die Frage zu stellen, warum man das ‚real India‘ verbergen wolle? Sie machte sich auf den fast 2000 km langen Weg nach Gujarat um dort zur Unterstreichung der Ernsthaftigkeit ihrer Frage in einen Hungerstreik zu treten. Traf dabei aber (zu ihrer Überraschung?) auf viele Slumbewohnerinnen, denen die Mauer herzlich wenig störend, dafür aber die durch den Trump-Besuch plötzlich vor die Haustür gespülten Gelegenheitsjobs sehr willkommen waren. Konnten sie doch wenigstens für einige Wochen bis zu 400 Rupien pro Tag verdienen (ca 5 Euro); für sie eine Menge Geld! Ihr einziger Wermutstropfen war und ist: Die Jobs sind so schnell wieder weg, wie die Blumenkübel zu Kathmandu. Ihre bleibende Bitte deshalb: „Give us permanent jobs“ – gebt uns beständige Arbeitsstellen! (Hier mehr dazu)

Um Zugang zu solchen zu ermöglichen investiert die Inter-Mission in ihren Projekten zunehmend auch in schulische oder berufliche Bildung über die 10. und oft auch 12. Klasse hinaus. Damit die Hilfe nachhaltiger, bleibender wird!

Autor: Mitarbeiter der Inter-Mission in Indien (Name wird aus Sicherheitsgründen nicht genannt)