Bald darauf erschien eine leitende Beamtin in unserem Büro und inspizierte jeden Raum, ob dort Kinder untergebracht seien. Doch in unserem Büro gibt es keine Kinder! Sie war insgesamt sehr kurz angebunden, fragte kritisch einige Mitarbeiter, ob sie schon immer Christen waren oder wann und wie sie sich bekehrt hätten und notierte auch genau die Namen und Adressen der Lehrer aus unseren Bildungseinrichtungen.

Halleluja und die Nationalhymne passen doch zusammen

Als sie am folgenden Tag eine unserer Slum-Schulen besuchte, ließ sie die Kinder ein Gebet aufsagen. Diese taten es begeistert und beendeten es mit einem lauten „Halleluja“! Auf ihre Frage, was das bedeute und warum der Name Jesu darin vorkomme, erklärte unser Leiter, dass die Eltern mit ihren Kindern zusammen zur Kirche gingen und daher kein Problem hätten, wenn sie auch beteten.

Schule schützt vor Drogen

Daraufhin sollten die Kinder die Nationalhymne singen, was sie mit der gleichen Begeisterung taten! Das überraschte die Beamtin, wie auch die Tatsache, dass die Kinder über bedeutende Personen der indischen Geschichte Bescheid wussten. Zudem beantworteten die Kinder ihre Fragen in Hindi und Englisch, was für Kinder aus dem Slum sehr außergewöhnlich ist! Wir spürten, dass ihre Haltung sich allmählich änderte. Ein Mann, der sich in der Nähe aufhielt, entpuppte sich als eine leitende Persönlichkeit innerhalb der Slumgemeinschaft. Ihn fragte sie, warum er zulasse, dass die Kinder in diese Schule gingen. 

Er erklärte ihr, dass sie sonst Drogen nähmen, kriminell würden oder schlicht nichts mit ihrer Zeit anzufangen wüssten. Die Erwachsenen im Slum seien zumeist Analphabeten, sie könnten ihren Kindern nichts beibringen. In der Schule jedoch erhielten sie eine gute Ausbildung und lernten wichtige Dinge. Das überraschte nicht nur die Beamtin sondern auch uns, denn er hatte eine solche Aussage uns gegenüber bisher noch nie gemacht.

Auf die Frage der Dame, ob die Kinder in der Schule zum christlichen Glauben bekehrt werden, entgegnete er, dass er seine Religion nicht geändert habe und es unbedenklich fände, dass sie diese Einrichtung besuchen.

Das Schulgeld ist zu hoch

Als schließlich einige ältere Kinder auf ihrem Weg zu unserer Schule vorbeikamen, erkundigte sie sich bei ihnen, warum sie nicht auf die benachbarte Schule gingen. Sie bekam zur Antwort, dass jene Schule zu teuer sei, ihre Eltern könnten sie sich nicht leisten. Auf unserer Schule seien die Schulgebühren jedoch erschwinglich. Daraufhin stellte die Beamtin ihnen einige Fragen, die inhaltliche Aspekte zu ihrem jeweiligen Lernstoff beinhalteten. Die Antworten fielen überzeugend aus, offensichtlich war sie damit sehr zufrieden, denn sie empfahl den Schülern Berufe in der Krankenpflege, als Ärzte und Lehrer usw. anzuvisieren. Auch hier waren die Jugendlichen nicht um Antworten verlegen: Ja, das hätten sie auch vor. Einige nähmen bereits an einer Krankenpflegeausbildung teil.

Nach kritischer Prüfung voll des Lobes

An unseren Geschäftsführer gewandt empfahl sie, dass wir uns doch auch im Jugendgefängnis engagieren, dort unterrichten und medizinische Hilfe leisten sollten. Denn wenn wir uns dort einsetzten, könnten wir dazu beitragen, dass diese Jugendlichen vor dem weiteren Weg auf einer „schiefen Bahn“ bewahrt werden.

Eine unerwartete Wendung

Diese Beamtin besuchte keine weitere unserer Einrichtungen, sie kam aber noch einmal zum Abschlussgespräch in unser Büro, aß mit uns gemeinsam zu Mittag und sagte dabei, dass sie uns am liebsten einen Preis für unsere Arbeit verleihen wolle, das sei ihr aber nicht möglich. Uns aber war es möglich, Gott für sein Eingreifen zu danken. Was wir auch gerne und reichlich taten!

Autor: Mitarbeiter der Inter-Mission in Indien (keine Namensnennung aus Gründen der Sicherheit)