Hitze in Indien

Der gewöhnliche Mitteleuropäer sehnt sich nach der Sonne, nach Wärme, Sitzen im Freien, dem lauschigen Biergarten genauso wie nach bräunenden Strahlen am Strand oder bei der Bergwanderung. Denn dann ist Sommer und meist auch Urlaub, und weil jener in der Regel ohnehin zu kurz ist, darf es gerne auch mal ein paar Hitzegrade mehr sein.

In Asien ist der Sommer oft lebensbedrohlich

Der gewöhnliche Vorder- und Südasiat erlebt dieselbe Sonne im Sommer dagegen oft als lebensbedrohlich, insbesondere wenn es jene paar Grad mehr als normal sind oder er in einer ohnehin regenarmen Gegend leben muss. Auch weil er es sich nicht leisten kann, dann wegzufahren oder überhaupt „Urlaub zu nehmen“. Denn das Einkommen läuft in diesem Fall nicht weiter, der Lebensunterhalt muss jeden Tag neu verdient werden. Dies betrifft den Kichererbsenverkäufer Muhamad A. im pakistanischen Jacobabad genauso wie den Bauern Hardeep S. im benachbarten indischen Punjab. Während der eine dieses Jahr bei Rekordtemperatur von 51 Grad Celsius auf der Straße stand und auf Käufer hoffte, sorgte sich der andere bei Dauertemperaturen in den mittleren 40er Graden um seine Büffel; Fieber und Schwäche sind nie ein gutes Zeichen. Der Tierarzt wusste Rat und seither schläft Hardeep wegen der Nachthitze zwar kaum noch, aber dennoch besser: Die Klimaanlage, der einzige Luxus in seinem Haus, wanderte vom Schlafzimmer in den Stall. Die Büffel haben sich erholt – und damit ist die Lebensgrundlage der Familie nicht mehr bedroht. Wenn denn die Ernte nicht miserabel ausfällt!

Die Menschen in Madagaskar leiden

Letzteres wiederum ist hitzebedingt seit 3 Jahren im Süden Madagaskars der Fall, die Bewohner dieses Landesteiles, die selbst zu normalen Zeiten einen kaum ausreichenden Ertrag aus ihren Feldern holen können, mussten sich wieder an den Dauer-Hunger gewöhnen. Folglich gehen die Kinder mit leerem Bauch zur Schule und was dies bedeutet, kann sich jede/r vorstellen. Ähnliches geschieht mittlerweile leider auch bis in die mittleren Einkommensschichten in Sri Lanka, ein an sich „üppiges Land“, das aber durch Covid und politische Misswirtschaft in bedrohliche existenzielle Notlage geraten ist.

Ob Nordindien, Madagaskar oder Sri Lanka – und man könnte die Liste fortsetzen, selbst um den minimalen täglichen Lebensunterhalt kämpfen müssen ist in den Regionen, in denen die Inter-Mission tätig ist, ständige Lebenswirklichkeit. Weshalb wir dort tätig sind. Und dort nach Partnerorganisationen suchen, die sich aufgemacht haben, nachhaltig an Leib und Seele zu helfen. Hierdurch kann unser Überfluss im Westen sehr schnell und sehr zielgerichtet vielen Familien dort zugutekommen. Und neben täglich Brot auch neue Hoffnung geben. Auch wenn die Sommersonne brennt. Daran bin ich gerne und von Herzen beteiligt. Danke, dass Sie diesen Sommer mit uns zusammen daran denken!

https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/kehrtwende-in-indien-regierung-verbietet-weizenausfuhren-wegen-ernteausfaellen

Autor: Mitarbeiter der Inter-Mission in Indien (Name Sicherheitsgründen nicht genannt)