Würdiges Fest

Würdiges Fest
Markus Egger
Leiter der IM Deutschland

Es war Mitte November 1973, als Jochen Tewes und ich in Chennai ankamen. Damals hieß die Stadt noch Madras, und sie war das Ziel unserer dreiwöchigen und abenteuerlichen PKW-Fahrt von Hannover über Österreich, Jugoslawien, Griechenland, Türkei, Iran, Pakistan bis Indien.
Jochen war gekommen, um zu bleiben und mit der Vision und dem Auftrag, für die heranwachsenden Jungen und Mädchen aus den Heimen der Inter- Mission berufliche Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. Er hatte eine erfolgreiche Anstellung als Maschinenbau- Ingenieur hinter sich gelassen und war bewegt von dem Gedanken, seine Kräfte und Gaben nicht dafür einzusetzen, die Reichen noch reicher zu machen, sondern den Armen zu dienen, um ihnen zu einer besseren Zukunft zu verhelfen. Nun waren wir in Madras angekommen und wurden liebevoll von Dr. Paul Gupta, dem Gründer und Leiter des „Hindustan Bible Institute“ (HBI) in seinem Haus aufgenommen.
Zusammen mit der Leitung der Inter-Mission in Hannover entschied man sich, für den Dienst von Jochen Tewes eine indische Organisation aufzubauen, und am 17. März 1974 konnte er mit mehreren indischen Brüdern die „Inter-Mission Industrial Development Assn.“ (IID) gründen. Die praktische Arbeit begann mit der Ausbildung von 10 Schlosser-Lehrlingen in einer Lehmhütte, die mit Palmblättern gedeckt war. Später übernahm IID auch die Vertretung der Inter-Mission gegenüber den indischen Partnerwerken. Seitdem hat dieses Werk eine bewegte Geschichte erlebt und ist kontinuierlich gewachsen. Die Schlosserwerkstatt wurde größer, eine Tischlerausbildung kam dazu, ebenso ein Lehrlingswohnheim, sowie Ausbildungszweige und Wohnangebote für Mädchen.
Neben der beruflichen Ausbildung bildete die geistliche Förderung der jungen Leute durch Jüngerschaftskurse immer einen Schwerpunkt. In den letzten Jahren konnten vermehrt sog. Community Colleges aufgebaut werden, in denen junge Leute aus armen Verhältnissen ein- bis zweijährige Ausbildungswege gehen können, die speziell auf die Situation des Arbeitsmarktes ausgerichtet sind. Dies war auch in anderen Landesteilen möglich, z.B. in Pune (Maharashtra), wo zwei Colleges geführt werden, finanziert von VW India und einer deutschen Maschinenbau-Firma.
Hunderte von Jugendlichen sind in diesen Jahrzehnten durch IID ausgebildet worden und leben heute als Christen oft ein beispielhaftes Leben. Manche wurden Mitarbeiter in christlichen Werken, manche von ihnen Missionare und Pastoren.
Genau vierzig Jahre nach der Gründung, am 17. März 2014, durfte ich nun auf dem Gelände des HBI in Chennai ein Gast bei der großen Jubiläumsfeier sein, dort, wo Jochen und ich damals in Madras angekommen waren. Es war ein Tag der dankbaren Freude über all das, was in diesen Jahren gewachsen ist, ein Tag um Gott zu loben und ihm die Ehre zu geben für sein wunderbares Wirken, seine Treue und seinen Segen. Die jungen Leute aus den verschiedenen Zentren feierten vormit- tags freudig und aufgeregt. Abends gab es eine öffentliche Veranstaltung unter freiem Himmel mit mehreren Hundert Gästen, mit Ehrungen und Grußworten, Musik- und Tanzdarbietungen aus den Ausbildungszentren. An verschiedenen Ständen stellten sich die Zentren von IID vor und boten z.T. ihre Produkte zum Verkauf an.
Es war eine würdige Feier, bei der ich besonders Jochen und Johshy Tewes für ihren treuen Dienst über vier Jahrzehnte danken und mit ihnen gemeinsam Gott allein die Ehre geben konnte!