Der Schrei der indischen Seele

Der Schrei der indischen Seele
Ich aber traue darauf, dass du so gnädig bist; mein Herz freut sich, dass du so gerne hilfst. Ich will dem Herrn singen, dass er so wohl an mir tut. Psalm 13,6
Luisa Stebner
Luisa Stebner
Mitarbeiterin einer Partnerorganisation der IM in Bihar

Nachdem wir im Juni 2014 mit unserer kleinen Familie nach Indien gezogen sind, möchte ich über erste Erlebnisse berichten. Zunächst aber danken wir für eure Gebete herzlich. Wir spüren ihre Wirkung deutlich und dürfen sehen, wie die fürsorgliche Hand Gottes uns trägt, an uns arbeitet und uns segnet. Eine der ersten Herausforderungen in Nordindien war die Hitze, die vor allem in der schwülen Monsunzeit von Juni bis September schwer zu ertragen ist. Einmal, als mein Ehemann Rudi für längere Zeit weg war, fiel die Stromversorgung und somit die Klimaanlage für einige Tage aus. Die Temperatur kletterte in Richtung 40°C, es war sehr feucht und stickig. In meinem hochschwangeren Zustand saß ich mit unserer Tochter Deborah auf dem Bett und spürte, wie die andauernde Hitze an meinen Kräften zerrte, so dass ich schließlich verzweifelt zu Gott rief. Ich schilderte ihm meine Situation und erwartete eine klare Verbesserung meiner Umstände. Doch als ich so dasaß und nachdachte, fiel mir auf einmal auf, dass ich Gott eigentlich nur danken kann. Die Schwangerschaft, die bisher so problemlos verlaufen war, die Gesundheit unserer ganzen Familie, der Schutz auf all den Reisen, das tägliche gesunde Essen, ein Zimmer zum Schlafen, einfach all das, was Gott für mich bisher getan hatte, waren Grund genug, ihm von ganzen Herzen zu danken. Beschämt merkte ich plötzlich, wie wenig ich die große Gnade Gottes schätzte, ohne die ich ein viel schlimmeres Los erfahren hätte. Mir kam in den Sinn, wie willig andere Christen um seines Namens Willen leiden. Ich erinnerte mich auch an das Bibelwort aus Phil.4,6: „Seid um nichts besorgt, sondern in allem lasset durch Gebet und Flehen mit Danksagung eure Anliegen vor Gott kundwerden.“ Das tat ich dann auch. Langsam verwandelten sich mein Selbstmitleid und meine Frustration in aufrichtige Dankbarkeit und Freude. Als ich nach einiger Zeit vom Gebet aufstand, fiel mir auf, dass meine eigentlich nassgeschwitzte Kleidung und die Haare ganz trocken waren. Obwohl die Klimaanlage immer noch nicht funktionierte, fühlte ich die Hitze nicht mehr. Auf wunderbare Weise hatte Gott mich nicht nur körperlich, sondern auch geistlich gestärkt. Zur Entbindung fuhren wir mit dem Zug zwei Tage lang nach Chennai, Südindien, wo wir dann im Gästehaus der Inter-Mission gut untergebracht waren. Die Geburt unserer zweiten Tochter Sarah verlief außergewöhnlich schnell und besonders gesegnet. Während mein Mann verschiedene Aufgaben für die Inter- Mission, die Mission hier in Purnia und andere Partnerwerke erledigt, widme ich mich hauptsächlich unseren Kindern und tue die üblichen Arbeiten einer Hausfrau. Um als deutsche Kleinfamilie in einem so fremden Land leben zu können, brauchen wir wirklich Gottes Kraft, Weisheit und Führung. Abgesehen von den sprachlichen und kulturellen Barrieren, die wir täglich überwinden müssen, sind wir als Christen herausgefordert, ein Licht zu sein. Eine Sache ist zum Beispiel das Kastensystem, aus dem sich nur wenige Inder lösen können. Wie wichtig ist es doch, dass die Menschen hier die Liebe Jesu erfahren, die jeder Menschenseele den gleichen, hohen Wert zumisst. Je länger wir hier inmitten der indischen Bevölkerung leben, desto tiefer können wir in ihr Leben blicken, aber desto lauter hören wir auch den Schrei ihrer Seelen, die sich nach Befreiung und Heil sehnen. Bitte betet weiterhin für uns, aber viel mehr für dieses Land und die Verbreitung des Evangeliums.