Liebe Freunde der Inter-Mission

Liebe Freunde der Inter-Mission
Matthias Mohr
Geschäftsführer der IM-Deutschland

Warum sind wir als Inter-Mission eine Mission und keine Hilfsorganisation? Diese Frage habe ich mir häufig gestellt auf meiner ersten Indienreise an der Seite von Markus Egger und Andreas Rapp. Es entspricht ja nicht unbedingt dem Zeitgeist, in christlicher Mission unterwegs zu sein. Wäre das Führen einer reinen Hilfsorganisation nicht unverfänglicher und in der Öffentlichkeit einfacher darzustellen? Auch als humanitäres Hilfswerk könnten wir doch viel Gutes tun, Ungerechtigkeit bekämpfen und Lebensbedingungen verbessern. Viele Hilfsorganisationen leisten ja eine hervorragende Arbeit und verdienen unseren größten Respekt!

Der Leitsatz unserer Mission lautet: „Wir sind eine Gemeinschaft von Christen, die ihren Glauben ausleben, indem sie ärmste Menschen unterstützen und das Evangelium von Jesus Christus bekannt machen. Unser Ziel ist es, insbesondere Kinder und Jugendliche ganzheitlich so zu fördern, dass selbständige und verantwortungsbewusste Persönlichkeiten heranwachsen. Hierzu arbeiten wir international und interkonfessionell in Partnerschaft mit einheimischen Organisationen zusammen.“

In Indien kann man die Ungerechtigkeit der heutigen Welt an fast jeder Ecke spüren: Einerseits die gewaltige Macht der Wirtschaft - Indien ist die fünftstärkste Wirtschaftsmacht der Welt, davon profitiert aber nur ein kleinerer Teil der Bevölkerung.Anderseits das abgehängte Heer der Armen. Die Schere dazwischen geht immer mehr auf. Kastenwesen, Benachteiligung des weiblichen Geschlechts oder einfach nur das Leben in ländlicher Umgebung setzen für viele fast unüberwindbare Begrenzungen und berauben sie jeglicher Hoffnung.

In dieser Situation helfen Zugänge zu Schulbildung, medizinische Versorgung, hygienische Lebensbedingungen, sichere Wohnverhältnisse, soziale Bindungen, Versorgung mit den wichtigsten Nahrungsmitteln und sauberem Wasser.

Das alles ist sehr wichtig und auch wir sorgen in unseren Projekten dafür. Es zeigt sich aber, dass eine nachhaltige Verbesserung den ganzen Menschen betrifft. Wir sind der festen Überzeugung, dass Menschen neben dem oben Aufgezählten eine Veränderung in ihrem Inneren brauchen: Sie brauchen eine Versöhnung mit Gott, Vergebung ihrer Schuld, die Gewissheit der Gegenwart eines liebenden Gottes in ihrem Leben und eine Hoffnung, die über den Tod hinausgeht. Das klingt nicht modern, aber: „Was hat ein Mensch denn davon, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er selbst dabei aber seine Seele verliert?“

Beim Besuch unserer indischen Partnerwerke konnte ich diese Veränderungen oft sehr gut sehen. Beeindruckt haben mich besonders die Projekte, in denen die praktischen Hilfen aus Liebe zum Menschen getan werden. Die Personen, denen Hilfe zuteilwurde, haben sich als Folge davon Gott zugewendet, weil sie gelebte Liebe Gottes erfuhren. Das ist keine Mission mit dem Schwert der Kreuzzügler – das funktioniert auf der Basis echter Freiwilligkeit.

Einer unserer Partner hat in der Bibliothek für die Mädchen ein Zimmer eingerichtet mit Postern von Frauen, die historisch Großes bewegt haben, um so das Selbstbild der Mädchen zu stärken. Hier sieht man z.B. Ruth aus der Bibel, Jeanne d`Arc, Mutter Theresa, Königin Elisabeth und mit einem Augenzwinkern auch Supergirl. In Indien ist es kein Privileg als Mädchen zur Welt zu kommen. Oftmals bedeutet es, schon vor der Geburt getötet zu werden, keine Entwicklungschancen zu bekommen oder als Prostituierte Objekt von Begierde zu werden. In diesem Heim erfahren die Mädchen aber eine Stärkung des Bewusstseins, als Frau Großes bewirken zu können. So habe ich das Auftreten dieser Mädchen auch erlebt: selbstbewusst, aber nicht unangenehm. Ich freue mich schon darauf, dass solche Mädchen die Zukunft Indiens als Christinnen mitgestalten werden.