Aus Dieben macht er Wohltäter - Transformation durch ganzheitliche Ausbildung

Aus Dieben macht er Wohltäter - Transformation durch ganzheitliche Ausbildung
„Wer gestohlen hat der stehle nicht mehr, sondern arbeite und schaffe mit den Händen etwas Gutes, auf dass er habe zu geben dem Bedürftigen“. (Eph. 4,28)
Rudi Stebner
Mitarbeiter der IM-Deutschland in Bihar

Diese Aufforderung im Neuen Testament spricht von einer großartigen Verwandlung, nämlich von einem notorischen Dieb zu einem Menschen, der auf ehrliche Weise Geld verdient und davon den Armen abgibt. Was ist der Auslöser solch einer bemerkenswerten Transformation und wie ist sie möglich?

In Deutschland werden Räuber oder Erpresser zu 72 Prozent erneut straffällig. Sanktionen wie Geld- oder Gefängnisstrafen sind offensichtlich nicht die effektivste Methode, Diebe positiv zu verändern. Bei der genannten Transformation geht es jedoch nicht nur darum, dass Diebe aufhören zu stehlen und eigenständig Geld zu verdienen, sondern dass sie darüber hinaus freiwillig und von Herzen den Notleidenden abgeben. In Indien ist es sogar so, dass die meisten Diebstähle gar nicht als solche gesehen werden. Wenn ich dort z.B. nach Original-Lizenzen für Computerprogramme frage, wird mir deutlich gemacht, dass es doch völlig in Ordnung sei illegale Lizenzen zu verwenden. Einmal sah ich, wie ein Verkäufer seinem Gott, dessen Statue neben ihm mit starren Augen das tägliche Geschäft beobachtet, aufrichtig dafür dankte, dass es ihm gelungen ist, mich zu betrügen und für ein Produkt die dreifache Summe zu bekommen.

Wie ist es also möglich, Diebe zu Wohltätern zu machen? Die Antwort ist Jesus Christus: Aus Nehmern macht er Geber. Eine solch drastische Veränderung geschieht in der Regel nicht über Nacht, es braucht eher Jahre der inneren Wandlung. Je mehr Christus in jemandem Gestalt gewinnt, desto mehr gebende Liebe wird er praktizieren. Wie genau kann das in Indien passieren?

In Bihar, einer der ärmsten Gegenden der Welt, konnte die Inter-Mission mit der Hilfe vieler Unterstützer schon einige Kinderheime, Dorfentwicklungsprojekte und Schulen bauen. Ziel solcher Einrichtungen ist ganz klar, das Leben armer Kinder durch Schulbildung, Ernährung und persönliche Begleitung aufzuwerten und ihnen Jesus Christus nah ans Herz zu legen, was auch reichlich geschieht. Langfristig gesehen gibt es jedoch für diese Kinder trotz allem große Herausforderungen, die die Inter-Mission und ihre Partner zum Handeln bewegen.

Konfuzius sagte: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben“. Hilfe zur Selbsthilfe löst nicht nur die Abhängigkeit des Nehmers vom Geber, sondern macht aus ihm einen potentiellen Geber. Arme Menschen auszubilden ist eine sehr effektive Praxis der gebenden Liebe Christi und leitet die Transformation aus Epheser 4,8 ein.

Deshalb unterstützt die Inter-Mission in Indien zunehmend christliche Berufsausbildungseinrichtungen und verzeichnet dabei inmitten der erwähnten Herausforderungen erhebliche Verbesserungen.

Das Partnerwerk GEMS fördert mittlerweile in drei „Industrial Training Institutes“ (ITI‘s) junge Männer mit Ausbildungen zum Schlosser, Elektriker, Kfz-Mechaniker oder Schweißer. Ausschließlich für Mädchen ist auch ein „Girls ITI“ entstanden, wo sie den Beruf einer technischen Zeichnerin oder einer Näherin erlernen können. Weiterhin bietet ein Missionskrankenhaus Ausbildungen zur Krankenschwester bzw. Geburtshelferin oder Kurse in Röntgen-Technologie an. Seit drei Jahren können junge Frauen und Männer am „GEMS Polytechnic College“ sogar Bauingenieurwesen, Maschinenbau, Elektrik, Elektrotechnik oder Computerwissenschaft studieren. Alle Berufe werden staatlich anerkannt und werten das Leben der Absolventen nachhaltig auf. Obwohl diese Ausbildungseinrichtungen noch in der Aufbauphase sind, zeigt die Erfahrung, dass sie der Schlüssel zu der angestrebten Transformation sind. Die meisten Auszubildenden oder Studenten sind arm und kommen aus sehr schwierigen Hintergründen.

Aber auf der einen Seite bekommen sie durch das Wort Gottes tragfähige Lebensanleitungen – z.B. beginnt jeder Tag mit einer Andacht, in der christliche Lieder gesungen werden, aus der Bibel gelesen und gemeinsam zu Jesus Christus gebetet wird. Auf der anderen Seite erwerben sie allmählich Wissen und Fachkompetenzen, die sie befähigen, selbstständig zu arbeiten, das tägliche Brot zu verdienen, gesunde Familien zu gründen und dann noch ein Segen für andere zu sein.

Assir, zum Beispiel, war ein überzeugter Moslem und hat drei Jahre lang am GEMS Polytechnikum studiert.

Ich erinnere mich noch an heftige Diskussionen zwischen mir als Dozenten und ihm am Anfang seines Studiums, in denen er seine nachgewiesenen Täuschungen und Lügen auf freche Weise verteidigte. Mittlerweile hat er trotz des enormen Drucks aus der eigenen Familie Jesus Christus als seinen persönlichen Erretter angenommen und ist entschlossen, die Bibelschule von GEMS zu besuchen. Er möchte seinen jungen Glauben vertiefen bevor er seine Karriere als Bauingenieur startet. Ein anderer Student namens Gerald wurde anfangs aufgrund seines unverschämten Verhaltens für mehrere Wochen suspendiert.

Zum Schluss seines Studiums bezahlte er jedoch heimlich eine hohe Summe für einen armen Waisenjungen, der sich die Ausbildung nicht mehr leisten konnte.

Diese und viele andere Beispiele zeigen, dass Berufsausbildung im christlichen Rahmen biblische Transformation bringen kann und somit eine sehr effektive Form von Missionsarbeit ist.


Personennamen zum persönlichen Schutz geändert

Für Interessenten, die Berufsausbildung in Indien unterstützen möchten, gibt es folgende Möglichkeiten zu helfen

Gebet für eine umfassende Transformation durch Jesus Christus und durch Bildung
Einzelspenden für die Einrichtung von Ausbildungsinstituten
Patenschaften für Auszubildende/ Studenten
Kurzzeiteinsätze von Fachkräften um vor Ort die Qualität solcher Ausbildungen zu verbessern


Einen Film der Inter-Mission zu diesem Thema gibt es unter:

https://www.inter-mission.de/medien/Verbotene_Traeume.mp4