Neue Patenschafts-Projekte für Waisen in Ghana

Neue Patenschafts-Projekte für Waisen in Ghana
Michael Miezal
Beauftragter der IM Deutschland für Sierra Leone

Ghana Photos

Zwei Jahre lang hatte ich per E-Mail Kontakt mit David Moari in Ghana. Nun ergab sich die Gelegenheit zu einem persönlichen Besuch und ich war gespannt, ein anderes westafrikanisches Land zu bereisen. David lernte vor einigen Jahren Jochen Tewes in Indien kennen und übernahm das Konzept der Community Colleges. Die Kurse finden jeweils am Wochenende statt, da das Gebäude an den übrigen Tagen für den normalen Grundschulunterricht benötigt wird.

Sehr beeindruckt hat mich, dass David die Lehrer der Schule aus eigener Tasche bezahlt und dafür etwa die Hälfte seines Einkommens als Dozent einer Fachhochschule verwendet. Mit großer Hingabeund einem großem Herzen für Arme und Benachteiligte engagiert er sich in Bolgatanga und Tamale, der ärmsten Region ganz im Nordosten des Landes. Neben der Schule und dem Community College, den überkonfessionellen Pastoren-Netzwerken und christlichen Gemeinden, die David gründete, zeigte er mir eines späten Nachmittags ein Waisenheim. Jener Besuch war der bewegendste meiner gesamten Reise.

Obwohl ich in Indien und Sierra Leone bereits viele Kinderheime besuchte, war ich geradezu schockiert, wie arm und schlicht die 22 Vollwaisen hier zusammen mit dem Heimelternpaar und ihrer kleinen Tochter leben. Isiah und Janet sind einfache und bescheidene Leute, die sich liebevoll um die Kinder kümmern. Ihr Vertrauen darauf, dass Gott sie versorgt, hat mich stark beeindruckt. Als ich fragte, wovon sie denn leben und wer sie unterstützen würde, sagte Isiah: „Von dem, was Leute ab und zu vorbeibringen.“ Trotz seines beachtlichen Glaubens ist dies sicher eine Herausforderung und man spürte bei aller Zuversicht auch einen Hauch Sorge, hart an der Grenze zur Verzweiflung. Das Heim selbst besteht aus einer Handvoll jener für Ghana typischen kleinen Lehmhütten, die durch Mauern - ebenfalls aus Lehm - miteinander verbunden sind. Geschlafen wird offensichtlich auf dem nackten Fußboden. Ich kann mich an keine Möbel erinnern, nur Schultaschen für die Kinder gab es. Sie besuchen umliegende Schulen.

In einem etwas größeren Raum, der als Versammlungsraum und Speisesaal dient, wird auch gekocht. Außerdem sind dort Hühnerställe untergebracht. Bis auf den natürlichen Dreck der Tiere machte alles einen sehr gepflegten und sauberen Eindruck.

Dem Rundgang folgte ein kurzes Meeting mit den Kindern. Ihrem Gesang zuzuhö-ren, war ein Gänsehaut-Erlebnis. Als sie das erste Lied anstimmten „We don’t worry, we trust in Jesus“ (Wir machen uns keine Sorgen, wir vertrauen Jesus), war ich emotional sehr tief berührt und spürte einen großen geistlichen Reichtum bei ebenso großer materieller Bedürftigkeit.Der wollen wir als Inter-Mission begegnen und ein Patenschaftsprojekt beginnen - im Vertrauen darauf, dass sich Spender für diese Waisenkinder in Ghana finden werden.