Unser neuer Projektbegleiter Jonathan Belke stellt sich vor

Als neuer Projektbegleiter Afrika: Was fasziniert dich an „deinem“ Kontinent?
Afrika hat mich schon vor Jahren gepackt: Diese Mischung aus Weite, Ursprünglichkeit und Begegnung. Die Menschen, ihre Herzlichkeit, ihr Lachen, die Offenheit auch unter schwierigen Umständen. Wie intensiv Leben dort spürbar ist. Die Menschen nehmen sich Zeit füreinander, selbst wenn materiell oft nur wenig da ist. Erstaunlich, wie wenig es manchmal braucht, um echte Freude zu empfinden. Diese Echtheit erdet mich.

Wie hast du den Kontinent kennengelernt?
Bei Reisen und Einsätzen. Die Erstbegegnung war 2010 bei meinem Auslandsjahr in Tansania: Die Sprache Suaheli hat mir viele Türen geöffnet, auch menschlich. Ich durfte eintauchen, Beziehungen bauen und den Alltag der Menschen teilen. Afrika ist mein Herzenskontinent geworden. Die Kombination aus Einfachheit, Stärke und Lebensfreude beeindruckt mich und stellt gleichzeitig meinen Alltag infrage.

Eine Projektreise hat dich kürzlich zum ersten Mal nach Sierra Leone gebracht …
Dieses westafrikanische Land hat mich auf seine ganz eigene Weise getroffen. Es gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, hat einen Bürgerkrieg und die verheerende Ebola-Pandemie hinter sich. Das zu wissen ist eines, aber die Not dann wirklich zu sehen, sind zwei unterschiedliche Dinge. Die Projektreise hat eine tiefe Sehnsucht in mir geweckt nach Entwicklung, Bildung und einer besseren Zukunft für die vielen Kinder, die vernachlässigt und teilweise ohne Eltern aufwachsen müssen. Die Diskrepanz zwischen der Schönheit des Landes und den strukturellen Problemen ist krass. Sierra Leone hat enormes Potenzial, das kaum ausgeschöpft wird. Der Kontrast aus harter Realität und Hoffnung macht mich nachdenklich.

Warum ist unsere Hilfe dort nötig?
Weil viele Menschen in Sierra Leone kaum Zugang zu den grundlegenden Dingen wie beispielsweise Bildung haben. Wie können Kinder, die keine Schule besuchen oder unter völlig unzureichenden Bedingungen lernen, ihr Leben einmal selbst gestalten? Die Hilfe dort ist nicht einfach „nice to have“. Wir verändern konkret und nachhaltig Lebenswege!

Als zweifacher Familienvater – was macht es mit dir, den krassen Alltag von Familien in Not zu erleben?
Ich habe viel Leere in Kinderaugen gesehen, das geht mir sehr nahe. Im selben Moment sehe ich meine eigenen Kinder vor dem inneren Auge. Während wir in Sicherheit aufwachsen, Zugang zu Bildung haben und einfach Kind sein dürfen, kämpfen Millionen Menschen in anderen Ländern mit Herausforderungen, die sie sich nicht ausgesucht haben. Das macht mich dankbar und motiviert mich, nicht wegzuschauen, sondern Verantwortung zu übernehmen, wo ich kann.

STECKBRIEF

STECKBRIEF

Jonathan Belke, genannt Jonny

  • Wohnhaft in Bielefeld
  • mit einer wunderbaren Frau verheiratet und jung gehalten durch 2 Kinder
  • Projektbetreuer für Afrika seit Februar 2026
  • 10 Jahre Berufserfahrung als Senior-Projektleiter in einer Full-Service-Werbeagentur
  • Natur- und Sportenthusiast, der gerne Grenzen auslotet
  • Schwäche für ein gutes Steak und Schokolade

Welches der 14 Projekte der Inter-Mission in Sierra Leone berührt dich am stärksten?
Unsere zehn Schulen! Weil du unmittelbar siehst, was geschieht, wenn wir Kindern Bildung ermöglichen. Schulen sind Orte der Hoffnung für das ganze Dorf, wo Kinder anfangen zu träumen und ihre Eltern merken, dass sie eine Chance bekommen. Die ganze Dorfgemeinschaft profitiert. Anders als in Deutschland sind Schulen in Afrika der zentrale Ort im Dorfleben. Unter der Woche nutzen sie das Gebäude als Schule, abends als Gemeinschaftsraum und für Versammlungen und am Sonntag finden in denselben Räumlichkeiten lebendige Gottesdienste statt. Solche Projekte schaffen Perspektive. Zu sehen, wie Kinder lernen wollen, mit welcher Motivation sie in die einfachen Klassenräume kommen, teils drei, vier Kilometer Fußmarsch dafür auf sich nehmen, beeindruckt mich.

Die Hilfe in Sierra Leone ist nicht einfach „nice to have“. Wir verändern Lebenswege!

Die Inter-Mission engagiert sich bei vielen Projekten gemeinsam mit dem Entwicklungsministerium BMZ …
Genau, das BMZ gibt uns so die Möglichkeit Projekte in größeren Dimensionen umzusetzen: Bildungs- und Sozialprojekte, den Bau und Betrieb von Schulen, Förderung von Lehrpersonal und die gezielte Unterstützung besonders vulnerabler Gruppen. Beispiele sind die erste inklusive Sekundarschule in Sierra Leone, in der sehgeschädigte und sehende Jugendliche gemeinsam lernen, sowie Projekte zum Schutz von Kindern vor geschlechterspezifischer Gewalt und Genitalverstümmelung. 1.500 Kinder profitieren bereits. Die Mechanik dabei ist so einfach wie effektiv. Ein Viertel der beantragten Mittel wird als Eigenanteil über Spenden finanziert – jeder gespendete Euro aktiviert also drei Euro Fördermittel und entfaltet überproportional Wirkung.

In welche Richtung möchtest du die Arbeit in Sierra Leone voranbringen?
Dass wir langfristig verändern: Bildung stärken, lokale Verantwortung fördern, die Menschen vor Ort einbeziehen und Projekte so begleiten, dass sie eines Tages ohne uns weiterlaufen. Gleichzeitig möchte ich die Menschen sehen – nicht nur unsere Projekte. Die beste Perspektive im Leben bringt alleine Jesus. Er kann Herzen und Leben verändern.

Bei BMZ-geförderten Projekten aktiviert jeder gespendete Euro drei Euro Fördermittel und entfaltet überproportional Wirkung. Macht ihr mit?

Welche bisherigen Vorstellungen über Entwicklungshilfe in Afrika sind bei der Reise verändert oder bestätigt worden?
Bestätigt hat sich für mich, dass echte Veränderung nur gemeinsam funktioniert. Nicht über die Menschen hinweg, sondern mit ihnen – partnerschaftlich auf Augenhöhe. Verändert hat sich vielleicht mein Blick auf die Wirksamkeit von Entwicklungshilfe. In Sierra Leone gibt es überproportional viele Hilfsorganisationen und Entwicklungsprogramme. In den vergangenen 30 Jahren sind circa 15 Milliarden US-Dollar Entwicklungshilfe ins Land geflossen. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt aber weiterhin in extremer Armut und es gibt de facto kaum Wirtschaftswachstum. Da ist so viel Potenzial, so viel Wille – es bräuchte oft nur die richtigen Rahmenbedingungen.

Ist dir ein Dorf besonders ans Herz gewachsen?
Ja, Njala Gaura am Rande des Regenwalds an der Grenze zu Liberia. Der Ort ist extrem abgelegen und hat rund 350 Einwohner, ich durfte mehrere Tage ihre Gastfreundschaft genießen. In schöner Erinnerung bleibt das Fußballspielen mit den Kindern. Sport ist ein Türöffner: Gemeinschaft, Freude, Ausgleich und Beziehungen entstehen. In Njala Gaura unterstützen wir eine Schule: Es geht nicht darum, einfach etwas hinzustellen. Schritt für Schritt entsteht ein Ort, der den Kindern gehört und mit dem sich die ganze Community identifiziert.

 In schöner Erinnerung bleibt das Fußballspielen mit den Kindern. Sport ist ein Türöffner:

Hast du Hoffnung aus dieser ersten Reise nach Sierra Leone mitgenommen?
Ja, viel sogar. Nicht, weil alles einfach ist, sondern gerade weil es herausfordernd ist und trotzdem etwas wächst. Schritt für Schritt. Diese Hoffnung kommt vor allem durch die Menschen vor Ort. Durch ihren Mut, ihre Ausdauer und ihren Glauben an eine bessere Zukunft.

Was wünschst du dir für deine Arbeit bei der Inter-Mission?
Dass ich mit offenem Herzen unterwegs bleibe und nicht abstumpfe wegen dem, was ich sehe. Dass ich berührbar bleibe und dass ich weise Entscheidungen treffe, die wirklich den Menschen dienen. Persönlich, dass ich immer wieder neu die richtige Haltung finde: demütig, lernbereit und mit dem Wunsch, nicht nur Projekte zu begleiten, sondern Menschen zu begegnen. Wenn ich am Ende einen Unterschied im Leben eines Menschen machen konnte, ist das für mich jede Anstrengung wert.