Wie eine Schule in Sierra Leone ihr neues Gebäude bekommt

  • 2. Halbjahr 2026: Eröffnung der neuen Schule
  • Noch erforderliche Spenden: 35.000 €
  • Für Wasserversorgung, Wegebau, Schulmöbel

Mongegba ist ein Vorort von Freetown, der Hauptstadt von Sierra Leone in Westafrika, einem der ärmsten Länder der Welt (Platz 184 von 193 Ländern im Human Development Index der UN). Armutsflüchtlinge vom Land bauen hier windschiefe Bretterhütten immer weiter den kargen Hang hinauf. Viele Familien kämpfen ums Überleben. Sie zerkleinern Felsen zu Schotter, den sie für geringes Geld verkaufen, sammeln Brennholz, stellen Holzkohle her oder verdingen sich als Tagelöhner. Ihre Kinder können keine Schule besuchen. Sie brechen Steine, tragen schwere Lasten oder helfen Holz hacken. Der Kreislauf der Armut durch mangelnde Bildung muss durchbrochen werden.

Im Armenviertel Mongegba am Rande von Freetown entsteht eine Schule mit Modellcharakter

Mittendrin gibt es einen Ort der Hoffnung: die Boi-Kambeh-Grundschule. Benannt ist sie nach der Mutter des jungen Pastors James Tucker, die als Analphabetin vielen armen Kindern den Schulbesuch ermöglichte. Tuckers kleine christliche Gemeinde gründete die Grundschule 2015 mit einfachsten Mitteln. Inzwischen unterrichten zwölf Lehrkräfte 162 Kinder in angemieteten provisorischen Räumen aus Plastikplanen, Brettern und Wellblech. Die kleine Schule ist ein Zeichen, dass Bildung auch möglich ist, wo Armut, fehlende Infrastruktur und gesellschaftliche Benachteiligung den Alltag bestimmen.

In Mongegba entsteht eine Schule, die gefährdeten Mädchen eine Zukunft gibt

Ein Schulbau mit Vision

2023 hat die Inter-Mission (Hannover) begonnen, der kleinen Grundschule ein neues, eigenes Gebäude zu bauen. Es soll ein ganzheitliches, sicheres Bildungsumfeld entstehen, das Kindern den Zugang zu Grundbildung ermöglicht. Schwerpunkt des Projekts sind der Schutz und die Förderung von Mädchen und Frauen. In Sierra Leone sind viele junge Frauen von geschlechtsspezifischer Gewalt, sexueller Ausbeutung und schädlichen Traditionen wie Kinderehe und weiblicher Genitalverstümmelung betroffen. Zwar gibt es passende Gesetze, doch in der Praxis fehlen Aufklärung, funktionierende Hilfsstrukturen und der Mut, Unrecht öffentlich zu benennen. Viele Opfer schweigen aus Angst vor Stigmatisierung, Scham und sozialem Druck. Das Projekt möchte dieses Schweigen durchbrechen – behutsam, respektvoll und gemeinsam mit der lokalen Community.

Die neue Schule wird eine mädchenfreundliche Einrichtung mit sechs Klassenräumen, Aula, Büro für die Schulleitung, Lehrerzimmer und modernen Sanitäranlagen. Die Toiletten sind für Mädchen auch während der Menstruation würdevoll nutzbar: Es gibt eigene Toiletten für Mädchen, abschließbar, mit Handbrause für Intimhygiene. Fehlende Rückzugsmöglichkeiten und mangelnde Sauberkeit führen sonst oft dazu, dass Mädchen während ihrer Periode dem Unterricht fernbleiben.

Schutz für Mädchen

Ein Baustein unseres Projekts ist die Herstellung wiederverwendbarer Damenbinden. Zwanzig Frauen aus Mongegba sollen geschult werden, einfache, hygienische Binden zu nähen und sie den Schülerinnen zugänglich zu machen. So können Mädchen am Unterricht teilnehmen – und die Frauen verdienen Geld für ihre Familien. Begleitend dazu werden Alphabetisierungskurse und ein Spar- und Darlehensmodell nach der Village-Savings-and-Loan-Methode eingeführt, damit die Frauen ihre Tätigkeit auch nach Projektende eigenständig fortführen.

Das Projekt sieht umfassende Sensibilisierungs- und Schulungsmaßnahmen vor: Lehrer, Eltern, lokale Autoritäten sowie Schülerinnen und Schüler werden einbezogen. Frauen-, Männer- und Paargruppen sollen gebildet werden, in denen über Gleichberechtigung, Gewaltprävention, Kinderrechte und gesunde, gewaltfreie Beziehungen gesprochen wird. 20 Community-Mentorinnen und -Mentoren werden ausgebildet, die langfristig als Vertrauenspersonen und Begleiter wirken. Männer werden ermutigt, Verantwortung zu übernehmen und zu Botschaftern eines respektvollen Miteinanders zu werden. Paare lernen, festgefahrene Rollenbilder zu hinterfragen. So beginnt Veränderung nicht nur an der Schule, sondern auch in den Familien.

Baufortschritt der neuen Schule in Mongegba 2025 bis heute

Die neue Schule wird in den nächsten Monaten fertiggestellt und bietet dann Platz für 280 Kinder, 120 mehr als bisher. Das kommt ganz Mongegba zugute, denn bisher gibt es hier viel zu wenig Schulplätze. Der Neubau steht der Dorfgemeinschaft als Zentrum für Bildung, Begegnung und gesellschaftliche Veränderung offen. Die Aula kann für Workshops, Elternarbeit und Versammlungen genutzt werden.

Für die ganze Ortsgemeinschaft

Das Projekt wird von der Cotton Tree Foundation in Sierra Leone umgesetzt, unserer erfahrenen lokalen Partnerorganisation, die bereits zahlreiche Bildungs- und Schutzprojekte durchgeführt hat. Die Zusammenarbeit mit der Inter-Mission besteht seit 1999 und ist von Vertrauen, Transparenz und gemeinsamer Verantwortung geprägt. Die langjährige Partnerschaft ist ein entscheidender Faktor für die erfolgreiche Umsetzung. Hilfe wird nicht von außen übergestülpt, sondern gemeinsam mit den Menschen vor Ort geplant und getragen.

Wer dieses Projekt unterstützt, investiert in Kinder, die lesen, schreiben und rechnen lernen. Besonders in Mädchen, die nicht länger wegen fehlender Hygiene aus dem Schulalltag gedrängt werden oder in Angst vor Gewalt leben müssen. In Frauen, die wirtschaftlich gestärkt werden. In Lehrpersonal, das Verantwortung über den Unterricht hinaus übernimmt. Und in eine Ortsgemeinschaft, die lernt, ihre Kinder zu schützen, Mädchen wertzuschätzen und Gewalt nicht hinzunehmen.

Delegation der Inter-Mission mit Geschäftsführerin Susanna Späth (2.v.r.) in Mongegba, März 2026

Mongegba braucht diese nachhaltige Perspektive. Eine Schule, die lebt; Wissen, das weitergegeben wird; Frauen, die selbstständig werden; Kinder, die geschützt aufwachsen; und eine Gemeinschaft, die sich von innen heraus verändert. Für Unternehmerinnen und Unternehmer, Stiftungen und alle, die mit ihrer Spende messbare, langfristig Wirkung erzielen möchten, bietet dieses Projekt die Chance. Es verbindet Bildung, Kinderschutz, Frauenförderung und Armutsbekämpfung zu einem ganzheitlichen Ansatz.