Wir entscheiden uns mutig zu sein

Liebe Freunde,

wir hoffen, es geht euch gut. Nun sind bereits über 160 Tage vergangen, seitdem in Indien der Lockdown verkündet wurde. Er zog weitreichende Erschwernisse mit sich, die sich auf jede Altersgruppe, jede Kommune, jeden Berufszweig, jeden Arbeitnehmer und jedes Schulkind auswirkten. Vom Schock zur Vorsicht – vom Verlust zur Sorge – wir haben die ganze Bandbreite erlebt. Schmerzhafte wirtschaftliche Unsicherheit, die Gefahr einer unklaren Zukunft für die Kinder, für ALLE. Die Furcht und Sorge vor einem unsichtbaren Feind, das Covid-19 Virus, lähmte Millionen von Menschen. Das Leben in dieser „neuen Normalität“ ist tatsächlich eine Herausforderung; eine Situation, die es erfordert, dass wir Neuerungen einführen und uns vorwärtsbewegen – abwägen und uns entscheiden mutig zu sein.

Wir sind nicht allein!

Ja, die indische Wirtschaft ist in diesem Quartal um 23,9% geschrumpft; und ja, über 39,4 Millionen Kinder gehen allein im benachbarten Uttar Pradesh nicht mehr zur Schule – und ja, 70% der Kinder haben keinen Zugang zu digitaler Technologie. Und doch haben sich einige, ganz wesentliche Dinge nicht verändert. Unsere Aktivitäten für unseren Nächsten haben alle ihren Ursprung im unerschütterlichen Glauben und Vertrauen zu dem Einen, der sagte: „Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ (Matthäus 11,28)

Ja, wir haben Covid-19-Patienten

Ich bekenne, dass ich gerade erst eine Zeit erhöhter Angst und Sorge über dieses andauernde Desaster hinter mir lasse. Den unterschiedlichen Aspekten unserer Arbeiten gerecht zu werden und gleichzeitig in unserem Krankenhaus zu arbeiten, war äußerst strapaziös, allerdings nicht nur wegen der Arbeitsbelastung an sich, sondern vor allem wegen der täglichen Anstrengung in höchster emotionaler Anspannung und Vorsicht, die notwendig sind, um die Mitarbeiter und auch mich selbst vor Infektion oder gar tödlicher Gefahr zu schützen. Ja, wir hatten Covid-19 Patienten, einige mit der konkreten Diagnose, andere mit sehr ähnlichen Symptomen. Doch bis zum heutigen Tag geht es uns allen gut, auch den mehr als 2800 Patienten, die wir in den letzten fünf Monaten behandeln konnten.

Chancen nutzen - Licht und Salz für die Menschen

Während wir unsere Projekte sorgfältig und bewusst wiederaufbauen, sind die Gelegenheiten mit der Bevölkerung in Kontakt zu kommen immens. Über 1 Million Mahlzeiten konnten in Zusammenarbeit mit mehr als 170 Missionsorganisationen verteilt werden, dabei erreichten wir mehr als 579 Dörfer. Das Vertrauen der Menschen war dabei von größtem Wert und wir setzen alles daran, am Schicksal derer teilzuhaben, die in unserer Umgebung leben. So konnten wir gleichzeitig Licht und Salz für die Menschen dieser Welt sein und Hoffnung und Stärke vermitteln.

Wir sind dankbar, dass die Regierung Unlock 4.0 begonnen hat (phasenweise Maßnahmen aus dem Lockdown) und machen uns gleichzeitig Sorgen, dass Indien heute mehr als 90 000 Neuinfektionen meldet und unser Land auf dem 2. Platz der am meisten betroffenen Nationen rangiert. Möge der Herr uns schützen und uns in dieser schweren Zeit seine Gnade und bedingungslose Liebe zuteilwerden lassen.

Herzliche Grüße, A.P.