Weihnachtsprojekt 2020

Sakina fährt mit dem Handrücken über ihr Gesicht. Der intensive Geruch der getrockneten Chilischoten, die sie zusammen mit Knoblauch, Zwiebeln, Koriander und Kreuzkümmel in einem großen Mörser zerstößt, treibt ihr Tränen in die Augen. Die Paste brät sie dann zusammen mit geschnittenen Okraschoten in einer Pfanne, die so groß ist, dass sie zum Umrühren die Kelle mit beiden Händen umfassen muss. Während das Curry vor sich hin schmort, misst Sakina Mehl ab und vermischt es in einer großen Schüssel mit Wasser. Ihre kleinen Hände haben Mühe, die Masse zu einem geschmeidigen Teig zu verarbeiten. Sie ist seit 5 Uhr morgens auf den Beinen, hat schon vor der Tür gefegt. Nun muss sie die jüngeren Geschwister wecken und versorgen.

Sakina ist noch nicht einmal zwölf Jahre alt – und sollte eigentlich in der Schule sein.

Education for All – Bildung für alle!

Das ist in Indien eine weitaus umfangreichere Forderung und Herausforderung als hier in Europa. Gerade für die Menschen der unteren Kasten war es lange ein Bewusstseins- oder auch ein wirtschaftliches Problem, ihre Kinder zur Schule zu schicken. Doch in den vergangenen 10 Jahren wuchs besonders in den ländlichen Gebieten die Akzeptanz der Tatsache, dass auch Mädchen eine Schulbildung erhalten sollen. 

Mehr als 10 Jahre ist es bereits her, dass die Inter-Mission begann, durch die Vermittlung von Patenschaften in Dorfentwicklungsprojekten (VDPs), Kinder zunächst durch Ernährungssicherung, eine grundlegende Schulbildung und die Verkündigung des Evangeliums zu unterstützen, um ihre Sicht auf sich selbst als Gottes geliebte und von ihm gewollte Kinder zu verändern. Wir wünschen uns für unsere Schutzbefohlenen jedoch auch eine nachhaltige positive Entwicklung, bei der sie künftig nicht mehr auf fremde Hilfe angewiesen sind und sich schließlich selbst in die Gemeinschaft einbringen können. Dies bedarf der Förderung neuer Lernmethoden und ebenso einer an die Schulbildung anschließenden Berufsausbildung.

Vom Auswendiglernen zum kognitiven Ansatz

Bisher lernen die Kinder nach den traditionellen Lehrmethoden des Einübens durch Wiederholen und Auswendiglernen. Jetzt aber soll durch eine Verbesserung des Unterrichts hin zu einem mehr kognitiven, fächerübergreifenden Ansatz ein weiterer Aufbruch zur Stärkung und Motivation von Lehrern und Kindern geschehen.

Education for All (EFA) ist eine von Privatpersonen aus Delhi ins Leben gerufene indische Initiative, die das Unterrichtsmodell der gebildeten Inder für eine Anwendung unter Dalits (die unteren indischen Kasten) anpasst. Die Vision lautet:

Veränderung – der Lernerfahrung unterprivilegierter Kinder

Mitwirkung – Lernen soll Spaß machen, inspirieren, attraktiv und wertvoll sein

Wachstum – die Kinder erleben, dass sie kreativ denken, Probleme lösen und Neues schaffen können.

Begabungen  erkennen und fördern

Das EFA-Team entwickelt spezielles Unterrichtsmaterial und schult die Verantwortlichen. Unterrichtende werden dadurch nicht nur selbst weitergebildet, sondern auch motiviert und bei Problemen unterstützt. Für die Kinder wird aus der klassischen Hausaufgabenhilfe echte Wissensvermittlung, Anwendung und Lernen werden durch Interaktionen und Übungen „greifbar“. Gerade Letzteres gibt es im klassischen indischen Unterrichtsmodell so gut wie gar nicht. 

Was bisher nur selten geschah, wird für die Schüler in unseren Dorfentwicklungsprojekten Realität: Sie werden in ihren individuellen Begabungen erkannt und gefördert. Englisch wird als Unterrichtssprache und entscheidender Weiterbildungsfaktor schon von Kindergarten-Stufe an eingeführt, was mindestens bilinguale Lehrkräfte voraussetzt.

Damit Sakina und viele andere Mädchen und Jungen zu guten Schülern werden, weil sie gute Lehrer haben, möchten wir mit unserem diesjährigen Weihnachtsprojekt gerne Spenden sammeln, um den ausgesuchten Organisationen vor Ort in einigen Pilotprojekten Unterrichts- und Klassenzimmermaterial sowie technische Ausstattung zur Schulung und Beobachtung des Prozesses zu finanzieren.